Gestrandet unter Kunstpalmen
von Martin Krumbholz
Oberhausen, 20. Januar 2017. "Falsch!" heißt das erste gesprochene Wort, Mephisto brüllt es, als das Licht an der falschen Stelle angeht, schließlich ist es der Herr der Finsternis, der darüber befinden muss und darf, wann und wo diese Finsternis "das Licht gebar". "Gerettet!" lautet dreieinhalb Stunden später das letzte. Falsch ist an dieser "Faust"-Inszenierung von Pedro Martins Beja vieles und gerettet wird am Ende wenig. Woran aber liegt es, dass das eminent ehrgeizige Unternehmen, mit nur fünf Schauspielern immerhin den ersten Teil von Goethes Hauptwerk auf die Bühne zu stemmen, so grandios abstürzt? Schließlich gibt es doch ein paar – nein, nicht direkt geniale Momente, aber doch Eruptionen eines markanten Stilwillens, eines "Zugriffs", wie man treffend sagt, wenn man andeuten will, dass ein Text nicht unbedingt um seiner selbst willen, sondern aufgrund einer regie-polizeilichen Order zurechtgestutzt und -gerückt wird. Klammergriff wäre auch nicht verkehrt.